»Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.« (Psalm 145,15)
Liebe Geschwister und liebe Freundinnen und Freunde!
Können wir auch heute noch diesen Wochenspruch so 1:1 nachsprechen? Hoffe ich tatsächlich mit großer Erwartung darauf, dass Gott mir gutes Essen und Trinken zur richtigen Zeit zukommen lässt? Ich muss von mir selbst gestehen, dass dem eher nicht so ist.
Dieser Bibelvers stammt aus einem der zahlreichen Lobpreis- und Dankpsalmen des David. Vor ca. 2.500 Jahren war man sich wahrscheinlich im damaligen Israel durchaus bewusst, dass die tägliche Versorgung mit Brot, Wasser und Wein wohl keineswegs selbstverständlich ist. Dennoch lobt David Gott und dankt ihm! Vielleicht dankt er ihm gerade aus diesem Grund, weil er sieht, dass die Versorgung eben nicht selbstverständlich ist.
Als der Psalm geschrieben wurde, waren Menschen viel mehr den Naturgewalten und der Willkür und den Launen der Herrschenden ausgeliefert. Einen Anspruch auf etwas Gutes zu essen und zu trinken, schöne Kleidung oder gar ein gutes Leben hatte man damals eben so gar nicht.
Weil die Lebensumstände damals so fragil waren, hat man Gott nicht trotzdem gelobt und war dankbar, sondern gerade deswegen. Die Menschen damals haben begriffen, dass das Leben und alles, was es lebenswert und schön macht, ein Geschenk Gottes ist und eben nicht eine Selbstverständlichkeit.
Wie weit sind wir heute von einem solchen Denken entfernt? Ich möchte uns deshalb gerade zum Erntedankfest dazu einladen, für einen Moment innezuhalten und zu überlegen, wofür ich derzeit meinem Gott dankbar sein kann.
E. M.

