zum Wochenspruch für Erntedank 2025

»Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.« (Psalm 145,15)

Lie­be Geschwis­ter und lie­be Freun­din­nen und Freunde!

Kön­nen wir auch heu­te noch die­sen Wochen­spruch so 1:1 nach­spre­chen? Hof­fe ich tat­säch­lich mit gro­ßer Erwar­tung dar­auf, dass Gott mir gutes Essen und Trin­ken zur rich­ti­gen Zeit zukom­men lässt? Ich muss von mir selbst geste­hen, dass dem eher nicht so ist.

Die­ser Bibel­vers stammt aus einem der zahl­rei­chen Lob­preis- und Dank­psal­men des David. Vor ca. 2.500 Jah­ren war man sich wahr­schein­lich im dama­li­gen Isra­el durch­aus bewusst, dass die täg­li­che Ver­sor­gung mit Brot, Was­ser und Wein wohl kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich ist. Den­noch lobt David Gott und dankt ihm! Viel­leicht dankt er ihm gera­de aus die­sem Grund, weil er sieht, dass die Ver­sor­gung eben nicht selbst­ver­ständ­lich ist.

Als der Psalm geschrie­ben wur­de, waren Men­schen viel mehr den Natur­ge­wal­ten und der Will­kür und den Lau­nen der Herr­schen­den aus­ge­lie­fert. Einen Anspruch auf etwas Gutes zu essen und zu trin­ken, schö­ne Klei­dung oder gar ein gutes Leben hat­te man damals eben so gar nicht.

Weil die Lebens­um­stän­de damals so fra­gil waren, hat man Gott nicht trotz­dem gelobt und war dank­bar, son­dern gera­de des­we­gen. Die Men­schen damals haben begrif­fen, dass das Leben und alles, was es lebens­wert und schön macht, ein Geschenk Got­tes ist und eben nicht eine Selbstverständlichkeit.

Wie weit sind wir heu­te von einem sol­chen Den­ken ent­fernt? Ich möch­te uns des­halb gera­de zum Ern­te­dank­fest dazu ein­la­den, für einen Moment inne­zu­hal­ten und zu über­le­gen, wofür ich der­zeit mei­nem Gott dank­bar sein kann.

E. M.