zum Wochenspruch 4. Sonntag nach Trinitatis (23.06.2024)

»Einer tra­ge des ande­ren Last, so wer­det ihr das Gesetz Chris­ti erfül­len.« (Gala­ter 6,2)

Lie­be Geschwister,

als Men­schen und auch als Chris­ten­men­schen sind wir auf­ein­an­der ange­wie­sen, wir sind sozia­le Wesen. Als wir Kin­der waren, muss­ten unse­re Eltern für uns vie­le Ent­schei­dun­gen tref­fen, sich um uns küm­mern, uns versorgen.

In unse­rem Mit­ein­an­der als Erwach­se­ne leben wir arbeits­tei­lig, die eine ist Phy­sio­the­ra­peu­tin und wird drin­gend gebraucht. Ande­re ver­kau­fen uns, was wir zum Leben brau­chen, in der Bäche­rei, im Super­markt oder an Klei­dung. Man­che ver­ste­hen sich auf Hand­wer­ke. Es wird klar, wohin der Gedan­ke führt: Allein wäre vie­les sehr viel schwie­ri­ger. – Wenn wir älter wer­den, dann brau­chen die meis­ten Unter­stüt­zung, viel­leicht Pflege.

In der Gemein­de ist das nicht anders, man­che sind gute Zuhö­ren­de, mit­füh­len­de Seel­sor­gen­de, ande­re sind treu betend. Drit­te brin­gen ihre Gaben in der Kin­der­kir­che lie­be­voll und lebens­lang prä­gend ein. Jemand macht Musik, die ande­ren dient. Jemand predigt.

Und da sind wir bei unse­rem Wochen­spruch: Wir kön­nen die Las­ten der je ande­ren leich­ter machen, wenn wir sie beglei­ten und ent­las­ten. Manch­mal braucht es prak­ti­sche Unter­stüt­zung. Manch­mal ein offe­nes Ohr oder Herz. – Die Grund­vor­aus­set­zung für alles dies aber ist die Lie­be zu den ande­ren. Nur dann näm­lich wol­len wir für sie da sein. In den Fami­li­en ist das klar. Im Beruf braucht es schon »finan­zi­el­le Anrei­ze«, ohne Geld wür­de kei­ne Bäcke­rin Bro­te backen. – Und in der Gemein­de: Haben wir da die geschwis­ter­li­che Lie­be zuein­an­der, die uns antreibt, ein­an­der zu unter­stüt­zen? Ich den­ke, dass es, wenn wir von Got­tes Geist die ande­ren aufs Herz gelegt bekom­men, selbst­ver­ständ­lich wird, dass wir unse­re Gaben einbringen.

Lie­be Geschwis­ter, die Lie­be zuein­an­der bleibt ein Geschenk, aber eines, das wir auch wol­len dürfen.Dann näm­lich erfül­len wir das Gesetz Chris­ti: »Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, lie­ben von gan­zem Her­zen, von gan­zer See­le und mit all dei­ner Kraft und dei­nem gan­zen Gemüt, und dei­nen Nächs­ten wie dich selbst« (Lukas 10,27)

F.W.

zum Wochenspruch 3. Sonntag nach Trinitatis (16.06.2024)

»Der Men­schen­sohn ist gekom­men, zu suchen und selig zu machen, was ver­lo­ren ist.« (Lukas 19,10)

Lie­be Geschwis­ter und lie­be Freun­din­nen und Freunde!

Mit die­ser Aus­sa­ge von Jesus endet die Geschich­te, als Jesus beim Zoll­ein­neh­mer Zachä­us zu Gast in des­sen Haus war.

Die theo­lo­gi­sche Eli­te der Pha­ri­sä­er hat­te sich wäh­rend­des­sen über Jesus mokiert und laut arti­ku­liert »bei einem aus­ge­mach­ten Sün­der ist die­ser Jesus eingekehrt!«

Ja, sie muss­ten von Jesus erst ein­mal ler­nen, dass er eben so gar nicht ihren gesell­schaft­li­chen Kon­ven­tio­nen ent­sprach. Aus ihrer Sicht ging das nun mal gar nicht: bei einem Zoll­ein­neh­mer zu Gast sein! Das war aus ihrer Sicht die unters­te gesell­schaft­li­che Schub­la­de; eben ein aus­ge­mach­ter Sün­der! Und dann sagt Jesus die­sen frap­pie­ren­den Satz, dass er eben gera­de die Ver­lo­re­nen suchen und erret­ten möchte.

Viel­leicht kann das für Dich und mich heu­te ein Ansporn sein, wenn wir mal einen Blick auf die Men­schen in unse­rem Umfeld wer­fen? Für wen kannst Du, für wen kann ich heu­te da sein? Wem kön­nen wir etwas von die­ser ret­ten­den und froh­ma­chen­den Bot­schaft von Jesus weitersagen?

Ich wün­sche uns dazu für die kom­men­de Zeit offe­ne Augen und Ohren!

E.M.

zum Wochenspruch 2. Sonntag nach Trinitatis (09.06.24)

»Kommt her zu mir, alle, die ihr müh­se­lig und bela­den seid; ich will euch erqui­cken.« (Mat­thä­us 11,28)

Lie­be Geschwis­ter und lie­be Freun­din­nen und Freunde!

Welch eine groß­ar­ti­ge Zusa­ge erhal­ten hier die Jün­ger von Jesus! Ich den­ke, die meis­ten Men­schen wer­den irgend­wann in ihrem Leben an einen Punkt kom­men, in wel­chem das Leben mühe­voll ist und die Sor­gen dann wie eine Last auf ihre See­le drücken.

Und genau in die­sen Momen­ten gilt für uns Chris­ten­men­schen die Zusa­ge von Jesus: Er selbst will uns erquicken!

Anders aus­ge­drückt könn­te das bedeu­ten: Er will uns die Last abneh­men und uns Ruhe und Frie­den in unser Herz schen­ken, wenn wir selbst nicht mehr kön­nen oder gar am Ver­zwei­feln sind. Wenn uns Angst und Sor­gen drü­cken, wenn uns Krank­heit quält oder wenn uns unse­re Zukunft im Augen­blick ganz düs­ter erscheint!

Ich wün­sche uns, dass wir die­se Zusa­ge von Jesus immer vor Augen haben, wenn uns die Sor­gen in unse­rem Leben mal wie­der erdrü­cken wollen.

E. M.

nachgedacht zum Monatsspruch Juni 2024

»Mose sag­te: Fürch­tet euch nicht! Bleibt ste­hen und schaut zu, wie der HERR euch heu­te ret­tet!« (2. Mose 14,13)

Inmit­ten der Wogen des Lebens, wenn uns die Flu­ten der Unsi­cher­heit zu über­wäl­ti­gen dro­hen, hören wir die kraft­vol­len Wor­te von Mose: »Fürch­tet euch nicht! Bleibt ste­hen und schaut zu, wie der Herr euch heu­te ret­tet!« (2. Mose 14,13).

Die­se Wor­te sind nicht nur eine Ermun­te­rung für das Volk Isra­el, son­dern eine zeit­lo­se Auf­for­de­rung, auch für uns heu­te. In den tur­bu­len­ten Zei­ten unse­res Lebens, wenn wir von den Wel­len der Her­aus­for­de­run­gen umge­ben sind, spricht Gott zu uns: »Fürch­te dich nicht!«

Mose erin­nert uns dar­an, dass die Stil­le inmit­ten des Cha­os der Ort ist, an dem Gott uns begeg­net. Wenn das Rau­schen der Ängs­te und Sor­gen in unse­ren Ohren zu über­mäch­tig wird, ruft uns der Herr zur Ruhe. Es ist die Stil­le, die Raum für Got­tes Han­deln schafft.

»Bleibt ste­hen«, sagt Mose. In unse­ren hek­ti­schen Leben mag es schwer sein inne­zu­hal­ten. Doch in die­sem Inne­hal­ten liegt die Kraft des Ver­trau­ens. Wenn wir ste­hen blei­ben, geben wir Gott die Gele­gen­heit, uns zu zei­gen, dass Sei­ne Wege über unser Ver­ständ­nis hinausgehen.

»Schaut zu«, for­dert Mose uns auf. Dies ist ein Auf­ruf zur Auf­merk­sam­keit. In den tur­bu­len­tes­ten Momen­ten gibt es ein Wun­der zu beob­ach­ten, das uns Gott offen­bart. In der Hek­tik des Lebens mögen wir es über­se­hen, aber wenn wir bewusst hin­schau­en, erken­nen wir die Spu­ren der gött­li­chen Gnade.

Gott ist unser Ret­ter, auch in den schein­bar aus­weg­lo­sen Situa­tio­nen. Mögen wir in der Stil­le des Cha­os ste­hen, auf­bli­cken und dar­auf ver­trau­en, dass der Herr uns ret­ten wird. Lasst uns gemein­sam im Ver­trau­en wach­sen und in der Gewiss­heit, dass unser Gott stets bei uns ist.

Amen!

Lars Oer­gel

nachgedacht zum Monatsspruch Mai 2024

»Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.« (1. Kor.6,12)

»Alles ist mir erlaubt…« oder auf neu­deutsch: »any­thing goes…«

Das klingt doch gut, oder? Ein Hoch auf die christ­li­che Frei­heit! Der Vers könn­te hier auf­hö­ren! Pau­lus bestä­tigt genau das, was vie­le damals wie heu­te hören woll­ten: Alles ist mir erlaubt.

Korinth: das war damals eine blü­hen­de Hafen­stadt, eine römi­sche Pro­vinz­stadt, mul­ti­kul­tu­rell und mul­ti­re­li­gi­ös. Man­che dach­ten: Alles ist erlaubt. In dem Brief, den Pau­lus an die Gemein­de in Korinth schrieb, ging es um Regeln zu Spei­sen und Geträn­ken und auch um den Gang zur Prostituierten.

Pau­lus stellt dabei die Frei­heit nicht grund­sätz­lich in Fra­ge. Aber er ver­bin­det sie mit Ver­ant­wor­tung, denn: Nicht alles dient zum Guten, und nichts soll Macht haben über uns. Zwei ein­fa­che, aber hilf­rei­che Faust­re­geln, die auch heu­te hilf­reich sind.

Wir leben in einer Gesell­schaft, die uns vie­le Frei­hei­ten bie­tet, in der wir stän­dig vor gro­ßen und klei­nen Ent­schei­dun­gen ste­hen. Manch­mal ist es gar nicht so ein­fach, den Über­blick zu behal­ten. Schnell ent­ste­hen »Abhän­gig­kei­ten«, wenn Gren­zen in die eine oder ande­re Rich­tung feh­len oder ver­scho­ben werden.

Der Vers for­dert uns auf, ver­ant­wor­tungs­voll mit der uns geschenk­ten Frei­heit umzu­ge­hen, die Fol­gen unse­res Han­delns im Blick zu behal­ten. Es ist nicht egal, was wir machen. Das »Aber« ist kein Rück­fall in Eng­stir­nig­keit oder Ängst­lich­keit, son­dern auch die Erin­ne­rung dar­an, dass wir wirk­lich frei sind.

Ein letz­ter Gedan­ke: Die­ser Vers passt wun­der­bar zur Theo­lo­gie der Evan­ge­lisch-metho­dis­ti­schen Kir­che (EmK). An der EmK lie­be ich, dass sie eine Frei­kir­che ist, die in vie­lem eben »frei« ist. Sie schreibt uns nicht vor, was wir genau zu glau­ben oder zu tun haben. Und genau des­halb for­dert sie viel von uns.

In allem sind wir nicht allein. Wir sind ein­ge­la­den, mit Jesus zu prü­fen, was uns und was ande­ren gut tut. Und es aus­zu­hal­ten, wenn wir dabei manch­mal zu unter­schied­li­chen Schlüs­sen kom­men, was rich­tig ist.

Wah­re Frei­heit bedeu­tet Ver­ant­wor­tung – für sich selbst und für ande­re. Lasst uns unse­ren Glau­ben in einer sol­chen Frei­heit leben!

L. Str.

nachgedacht zum Monatsspruch April 2024

»Seid stets bereit, jedem Rede und Ant­wort zu ste­hen, der von euch Rechen­schaft for­dert über die Hoff­nung, die euch erfüllt.« (1. Petrus 3,15)

Ein Rezept: Neu­lich hat mich ein älte­rer Bru­der auf Pas­tor Wil­helm Busch auf­merk­sam gemacht. Dabei fiel mir sofort eine sei­ner Ent­geg­nun­gen ein, die ihm die Gesprächs­part­ner nann­ten: »Herr Busch, egal mit wel­chem The­ma Sie anfan­gen, Sie enden immer mit Jesus.« Lie­be Geschwis­ter in Jesus Chris­tus, ist das nicht herr­lich? Immer auf Jesus zurück zu kom­men. Prima.

Ist es nicht auch eine schö­ne Übung, die vie­le Kapi­teln von dem Buch Pre­di­ger zu lesen, und auf die uns dar­in begeg­nen­den Melan­cho­lie mit Jesus zu ant­wor­ten? Dann haben wir die rich­ti­ge Ant­wort für mög­li­cher­wei­se alle Lebens­si­tua­tio­nen gefunden.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens eines der schlaus­ten Men­schen jemals, beant­wor­tet mit der Quel­le des leben­di­gen Was­sers. Prima.

Seid alle­zeit bereit für Ver­ant­wor­tung vor jeder­mann, der von euch Rechen­schaft for­dert über die Hoff­nung, die in euch ist. (1. Petrus 3,15)

Mei­ne Rea­li­tät: Sieht die­se wirk­lich so für mich aus?
Sehr ver­ein­facht gesagt, rich­tig moti­vie­rend, und den­noch schwie­rig umzu­set­zen. Ich las­se mich in mei­nem All­tag ertap­pen; von vie­len Auf­ga­ben aus der Ruhe brin­gen, von vie­len Nach­rich­ten und Mei­nun­gen (indi­rekt) len­ken, von lau­ter Din­gen kom­plett ablenken.

Ich seh­ne mich manch­mal nach einem Ich wie Pau­lus vor Agrip­pa, und den­noch ist mei­ne Rea­li­tät die sub­ti­le, nie­der­schwel­li­ge Nach­gie­big­keit mei­nes Ichs.

Mein Jesus! Wenn Jesus bei mir ist, kann ich auch die schwie­rigs­ten Dis­kus­sio­nen durch­hal­ten, die trau­ri­gen Momen­te mit Hoff­nung anse­hen, den Fun­ken der Freu­de von Chris­tus auf den ande­ren über­sprin­gen las­sen. Dann fürch­te ich das Dro­hen der Men­schen nicht mehr; viel­mehr erken­ne ich in mei­nem inners­ten Wil­len, in mei­nem Her­zen, dass ich Chris­tus gehö­re. Und das macht mich und uns frei, jeder­mann Rechen­schaft über den christ­li­chen Glau­ben geben zu können.

Manch­mal begeg­nen wir nur einer begrenz­ten Zahl von Men­schen um uns her­um. Kei­ne staat­li­chen Hohei­ten oder Suchen­den. Den­noch bist Du, lie­be Schwes­ter, lie­ber Brü­der, ein­ge­la­den, in die­sem Monat über die Hoff­nung des Evan­ge­li­ums, die in uns ist, neu zu erzäh­len. Unser Jesus Chris­tus wird dir und mir die rich­ti­gen Wor­te, zu pas­sen­den Zeit und an pas­sen­der Stel­le, geben.

Euer Z. I.

nachgedacht zum Monatsspruch März 2024

»Ent­setzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Naza­reth, den Gekreu­zig­ten. – Er ist auf erstan­den, er ist nicht hier.« (Mar­kus 16, 6)

Der März ist die­ses Jahr ganz beson­ders, wir befin­den uns mit­ten in der Pas­si­ons­zeit. Am 1. fin­det der Welt­ge­bets­tag statt, auch ganz beson­ders, denn wir beten mit und für die Frau­en in Paläs­ti­na. Und am letz­ten Tag fei­ern wir Ostern! All dies umspannt der Vers aus dem Markus-Evangelium:

  • Ent­set­zen: der Frau­en in Paläs­ti­na und der Frau­en am Grab.
  • die Kreu­zi­gung Jesu und als Höhe­punkt, als Abschluss —> die Auferstehung!
  • Freu­dig wer­den wir uns Ostern begrü­ßen mit den Jahr­hun­der­te alten Wor­ten: Der Herr ist auf­er­stan­den! und ant­wor­ten: er ist wahr­haf­tig auferstanden!

Doch unser Monats­spruch und die wei­te­ren Ver­se des Evan­ge­li­ums sagen da etwas ganz ande­res. Die Frau­en am Grab, zur Bal­sa­mie­rung gekom­men, fin­den es leer und sind zu Tode erschro­cken. Und dann sitzt da jemand, sagt Jesus sei auf­er­stan­den, sie müss­ten kei­ne Angst haben. Wie wäre es uns in die­ser Situa­ti­on gegan­gen? Hät­ten wir da unse­ren Oster­ju­bel spre­chen kön­nen? Sie bekom­men den Auf­trag, die­ses Ereig­nis den Jün­gern zu erzäh­len. Was machen sie statt­des­sen? Sie flie­hen, zit­tern vor Angst und sagen nie­mand etwas. Hier endet das eigent­li­che Evangelium.

Die letz­ten Ver­se wur­den erst viel spä­ter dazu gefügt, denn so hat es ja nicht wirk­lich geen­det. Die Bot­schaft von der Auf­er­ste­hung ist ja wei­ter erzählt wor­den! – Noch ein­mal die Fra­ge, was hät­ten wir gemacht? Für mich ist das nur hypo­the­tisch, denn ich kann mir so eine Situa­ti­on gar nicht vor­stel­len. Doch wie ver­hal­te ich mich heu­te mit der Bot­schaft der Auferstehung?

Eine Ver­kün­di­gung über Jahr­tau­sen­de, die Mil­lio­nen Men­schen als Wahr­heit bezeug­ten und dafür auch heu­te noch ster­ben! Trotz­dem sagen uns, den Chris­ten, vie­le Men­schen: Jesus, als Mensch, ja der hat schon eine gute Mes­sa­ge gehabt, aber auf­er­stan­den? Damit kann ich nichts anfan­gen. Was sage ich da? Bin ich, wie die Frau­en, stumm: »und sie sag­ten nie­mand etwas«? Bin ich ent­setzt, furcht­sam, wenn die Fra­gen kom­men? – Je län­ger ich über all das nach­den­ke, umso mehr Fra­gen tun sich auf.

Und da gibt es auch noch die­sen klei­nen Neben­satz: »er ist nicht hier.« Damals bedeu­te­te es zuerst: Jesus ist nicht im Grab – ganz offen­sicht­lich. Spä­ter haben sie und vie­le ande­re ihn noch ein­mal gese­hen. Doch wo ist er für uns? Im Him­mel, bei Gott? Ja. Aber viel wich­ti­ger: Er ist bei uns, bei mir. Es ist nicht nur ein Gefühl, ich bezie­he mich nicht nur auf Jesu Ver­spre­chen in sei­ner letz­ten Rede, dem Mis­si­ons­be­fehl, wo es am Ende heißt: »und sie­he, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.« (Mat­thä­us 28,20b)

Nein, ich erle­be es immer wie­der: Da gibt es kei­nen Zufall, da gibt es kein »Glück gehabt« —> da weiß ich, in die­sen spe­zi­el­len Augen­bli­cken war und ist ER bei mir! – Dar­um brau­che ich nicht ent­setzt zu sein, in ein lee­res Grab zu schau­en, son­dern kann freu­dig beken­nen: »er ist nicht dort geblie­ben, er ist jeden Tag bei mir, denn er ist wahr­haf­tig auf­er­stan­den

M. St.

nachgedacht zum Monatsspruch November 2023

»Er allein brei­tet den Him­mel aus und geht auf den Wogen des Mee­res. Er macht den gro­ßen Wagen am Him­mel und den Ori­on und das Sie­ben­ge­stirn und die Ster­ne des Südens« (Hiob 9,8+9)

Gott schuf einen siche­ren Raum
Die ers­te Ant­wort Hiobs auf die Rede sei­nes Freun­des Bildad beschreibt die Grö­ße und Macht Got­tes. Dabei for­mu­liert Hiob auch die bei­den Ver­se 8 und 9. Gott hat im All einen Him­mel auf­ge­spannt, er hat die Was­ser­men­gen an bestimm­ten Orten gesam­melt und herrscht über ihre Wogen, sodass die Men­schen viel Raum zum Leben auf dem Land fin­den konn­ten. Und Gott wirkt bis in die Tie­fen des Welt­alls hin­ein, indem er z.B. den Gro­ßen Wagen, den Ori­on, das Sie­ben­ge­stirn und ande­re Ster­ne an ihrem Platz hält, ihnen ihre Bah­nen zeigt und über Ent­fer­nun­gen gebie­tet, die wir Men­schen in Licht­jah­ren mes­sen. (Ein Licht­jahr ent­spricht der Stre­cke, die das Licht in einem Jahr zurück­legt. Das sind etwa 9,46 Bil­lio­nen Kilo­me­ter. Der Stern­hau­fen des Sie­ben­ge­stirns ist etwa 444,2 Licht­jah­re von der Erde entfernt.)

Der mensch­li­che Lebens­raum ist gefährdet
Aber wir leben in einem Zeit­ab­schnitt, in dem uns der mensch­li­che Lebens­raum nicht mehr so sicher erscheint wie viel­leicht vor 50 Jah­ren. Die Krie­ge und Natur­ka­ta­stro­phen neh­men in so bedrän­gen­dem Maße zu, dass wir unsi­cher wer­den. Die­se Unsi­cher­heit kön­nen wir aber auch schon bei Hiob ahnen, denn ein Him­mel, der von Gott »auf­ge­spannt« wur­de, kann von ihm auch wie­der »zusam­men­ge­fal­tet« wer­den (2. Petrus 3,13; Off. 21,1). Und das tosen­de Meer ist nur so lan­ge unge­fähr­lich, wie man einen genü­gend gro­ßen Abstand dazu ein­hält. An der Nord­see­küs­te direkt hin­ter dem Deich sieht es bei Sturm­flut ganz anders aus. Und auf einem Atoll in der Süd­see, des­sen höchs­ter Punkt nur 1,2 m über N.N. liegt, fragt man sich allen Erns­tes, wie es wer­de wird, wenn der Mee­res­spie­gel wei­ter ansteigt.

Woher kann Hil­fe kommen?
Die Hil­fe für alles siche­re und alles gefähr­de­te Woh­nen und Leben sehe ich dar­in, dass »ER, der Herr des Him­mels und aller Wel­ten, allei­ne die letz­te Ver­ant­wor­tung trägt« (Vers 1). Er, der Gott der Bibel, den wir als Vater, Sohn und Hei­li­gen Geist in einem glau­ben, hat das All geschaf­fen, wie es jetzt ist, und wird es ein­mal besei­ti­gen und einen neu­en Him­mel und eine neue Erde her­vor­brin­gen, wenn er den Zeit­punkt für gekom­men hält. Des­halb ist es gut und klug und weit­bli­ckend, wenn wir uns zu die­sem Gott bekeh­ren, zu dem wir durch sei­nen Sohn Jesus Chris­tus Zutritt bekom­men haben. Wenn wir uns fest mit Jesus Chris­tus ver­bin­den, dann kön­nen wir alle zukünf­ti­gen Lebens­la­gen getrost und hoff­nungs­voll erwarten.

P.M.

nachgedacht zum Monatsspruch August 2023

»Du bist mein Hel­fer, und unter dem Schat­ten dei­ner Flü­gel froh­lo­cke ich.« Psalm 63,8

Text: Luther­bi­bel, revi­diert 2017, © 2016 Deut­sche Bibel­ge­sell­schaft, Stutt­gart – Gra­fik: © GemeindebriefDruckerei

Der Psalm­be­ter ist mir sehr sym­pa­thisch: So wie er denkt und sich nach Got­tes Nähe sehnt, so wün­sche ich es mir für mich auch. Schon der Vers nach der Über­schrift macht deut­lich: Der Beter sucht Gott, er merkt, dass ihm ohne Gott etwas Lebens­not­we­ni­ges fehlt: Wie tro­cke­nes, dür­res Land, das drin­gend Was­ser braucht.

Immer wie­der ein­mal schrei­be ich ein­zel­ne Psal­men hand­schrift­lich ab und medi­tie­re sie so. Dies ist ein ganz »mecha­ni­scher« Zugang, in dem ich schon über die Wor­te nach­den­ken muss, sie ver­ste­hen und qua­si »wie­der­käu­en«. Ande­rer­seits ist es eine ande­re Art und Wei­se als mit einem Kom­men­tar oder einer Stu­di­en­bi­bel. Ein geschätz­ter Theo­lo­ge unter­schied zwi­schen der Anwen­dung oder Appli­ka­ti­on eines bibli­sches Tex­tes auf das eige­ne Leben einer­seits und der Aus­le­gung oder Exege­se ande­rer­seits. – Und er fand, dass es bei­des brau­che: Unse­ren direk­ten und unver­mit­tel­ten Umgang mit bibli­schen Tex­ten einer­seits und die Refle­xi­on und das Nach­den­ken ande­rer­seits. Das Ver­hält­nis bei­der nann­te er dann bibli­sche Her­me­neu­tik. – Wir erin­nern uns: Her­mes ist nicht allein der Gott der Die­be und Kauf­leu­te im alten Grie­chen­land gewe­sen (ob das die Han­no­ver-Mes­se bei ihrem »Her­mesturm« bedacht hat), er ist vor allem auch der Göt­ter­bo­te, der die Nach­rich­ten übermittelt.

Wenn wir uns bewusst machen, wo und wie uns jeweils Gott hilft, uns schützt und bewahrt, dann mer­ken wir: Jeder Tag, an dem wir leben, ist lebens­ge­fähr­lich. Wie vie­le fast-Unfäl­le haben wir, wie oft geht etwas gera­de noch ein­mal gut, obwohl wir unvor­sich­tig waren. – Wenn ich die­ses Psalm­wort lese, macht es mich dank­bar! Ich weiß: Mein Leben habe ich nur zu einem Teil in der Hand. Ja, die­sen Teil, den ich beein­flus­sen kann, will ich gut gestal­ten. Ich bemü­he mich, vor­sich­tig zu sein. – Das Rest­ri­si­ko aber bleibt.

Wenn also ein Unheil oder Unglück vor­über­ge­gan­gen ist, dann froh­lo­cke ich im Schat­ten der Flü­gel Got­tes. Ein schö­nes Bild. Ich den­ke an Jung­vö­gel im Nest, die von den Eltern bei Gefahr unter ihre Fit­ti­che genom­men wer­den. – Und etwa in die­ser Wei­se geht es auch uns.

Nah bei Gott sind wir gebor­gen. – Ich lade herz­lich dazu ein, dass wir uns das im August ein­mal bewusst machen und dar­auf achten.

Frank Weber

nachgedacht zum Monatsspruch Juli 2023

»Jesus Chris­tus spricht: Liebt eure Fein­de und betet für die, die euch ver­fol­gen, damit ihr Kin­der eures Vaters im Him­mel wer­det.« Matthäus 5,44 – 45

Lie­be Geschwister,

im Matthäusevangelium, das die­sen Vers enthält, spricht Jesus zu uns über die bedin­gungs­lo­se Lie­be, zu der wir als sei­ne Nach­fol­ger beru­fen sind. Er kon­fron­tiert uns mit der weit ver­brei­te­ten Hal­tung, unse­ren Nächsten zu lie­ben, aber unse­re Fein­de zu has­sen. Doch Jesus stellt klar: »Liebt eure Fein­de und betet für die, die euch verfolgen.«

Die­se Wor­te sind nicht leicht zu ver­ste­hen und noch schwie­ri­ger in die Pra­xis umzu­set­zen. Aber wenn wir genau­er darüber nach­den­ken, erken­nen wir, dass dies der Weg ist, um den Cha­rak­ter unse­res himm­li­schen Vaters wider­zu­spie­geln. Denn unser himm­li­scher Vater lässt die Son­ne auf­ge­hen über Bösen und Guten und lässt reg­nen über Gerech­te und Unge­rech­te. Sei­ne Lie­be kennt kei­ne Gren­zen und macht kei­nen Unterschied.

Es ist nicht außergewöhnlich, unse­re Freun­de zu lie­ben und ihnen Gutes zu tun. Doch Jesus ruft uns dazu auf, darüber hin­aus­zu­ge­hen – unse­ren natürlichen Instinkt zu überwinden – und denen Gutes zu tun, die uns feind­lich gesinnt sind. Er for­dert uns auf, ihre Feind­schaft mit Lie­be zu überwinden. Denn wenn wir nur die lie­ben, die uns lie­ben, han­deln wir nicht anders als die Men­schen, die kei­ne Bezie­hung zu Gott haben.

Lie­be Geschwis­ter, indem wir unse­re Fein­de lie­ben und für sie beten, brin­gen wir die Lie­be Got­tes zum Aus­druck. Wir bre­chen den Kreis­lauf von Hass und Rache und set­zen ein Zei­chen der Ver­ge­bung und Versöhnung. Wir haben die Möglichkeit, den Her­zen unse­rer Fein­de die Tür zur Veränderung zu öffnen, und sie auf den Weg der Lie­be und des Frie­dens zu führen.

Es ist eine Her­aus­for­de­rung, aber wir dürfen uns dar­an erin­nern, dass wir nicht allein sind. Wir können uns an Got­tes Lie­be und Gna­de fest­hal­ten. Der Hei­li­ge Geist gibt uns die Kraft, über unse­re natürlichen Instink­te hin­aus­zu­wach­sen und unse­re Fein­de zu lieben.

»Lasst uns daher dar­in bestrebt sein, voll­kom­men zu sein, so wie unser himm­li­scher Vater voll­kom­men ist.« Das bedeu­tet nicht, dass wir Feh­ler­lo­sig­keit errei­chen, son­dern dass wir in der Lie­be wach­sen und uns danach aus­rich­ten, Got­tes Lie­be in unse­rem täglichen Leben widerzuspiegeln.

Lasst uns beten: Lie­ber himm­li­scher Vater, dan­ke, dass du uns mit dei­ner bedin­gungs­lo­sen Lie­be umgibst. Hilf uns, die­se Lie­be auch denen ent­ge­gen­zu­brin­gen, die uns feind­lich gesinnt sind. Stärke uns, wenn es schwie­rig wird, und erfülle uns mit dei­ner Gna­de, um über unse­ren natürlichen Nei­gun­gen zu ste­hen. Lass uns zu Bot­schaf­tern dei­ner Lie­be wer­den und dazu bei­tra­gen, dein Reich der Lie­be und Versöhnung auf die­ser Erde zu eta­blie­ren. In Jesu Namen beten wir. Amen.

Möge Got­tes Lie­be in uns wach­sen und uns befähigen, unse­re Fein­de zu lie­ben und für sie zu beten. Möge unser Zeug­nis der Lie­be die Welt verändern und die Men­schen dazu bewe­gen, nach Got­tes Maßstäben zu leben. Amen.

Euer Dirk Liebern