»Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.« (Prediger 4,6)
Ein Vers aus dem Prediger, der zunächst stört, vermutlich weil ungewohnte Worte miteinander in Zusammenhang gebracht werden.
Ich möchte zunächst die Substantive betrachten:
Mit Hand verbinde ich segnende Hände, Hände, die leiten und führen, Liebende geben sich die Hand und wir geben uns in Deutschland zur Begrüßung oft die Hand. Sie sind ein Zeichen für Nähe und Zuwendung. Die Ruhe steht für mich für die Gegenwart Gottes, der Jeremia in der Stille begegnet. Wir Menschen benötigen innere und äußere Ruhe, um die Stimme Gottes hören zu können – eine Herausforderung in unserer heutigen oft lauten Welt. Mit der Redewendung „Eine Hand voll Ruhe“ ist auf jeden Fall etwas sehr Positives gemeint.
Die Fäuste stehen dagegen für Gewalt und Zerstörung. Ich habe aus Fäusten noch nichts Positives und Neues entstehen sehen, eher oft das Gegenteil. Allerdings wird eine gewisse Wehrhaftigkeit auch in der Bibel oft positiv beschrieben. Die Mühe kennen wir leider von unserem Alltag, wenn die Last der Arbeit und Sorgen uns bedrückt. Allerdings ist die Mühe manchmal auch eine wichtige Zwischenetappe für etwas sehr Erfreuliches: Wer kennt nicht die Mühe eines Bergaufstieges, um sich dann von dem Panorama überwältigen zu lassen? Die »beiden Fäuste voll Mühe« hören sich nicht erstrebenswert an, wir versuchen sicherlich alle, sie zu vermeiden.
Bleibt der Wind: Ein vergänglicher Zustand, der uns im Sommer oft erfrischt oder mit der Windkraft Energie schenkt. Auch Gott begegnet uns in der Bibel im Säuseln des Windes. Was ist aber mit »Haschen nach Wind« gemeint? Wir können den Wind nicht einfangen und konservieren, dies ist eine vergebliche Mühe. Wind ist Bewegung und Energie, die nicht festgehalten werden kann, wir können das Blatt im Wind festhalten, aber nicht den Wind, daran werden wir scheitern und verzweifeln.
Für mich stellt der Vers die Frage, wie wir, wie ich leben will. Was ist mir wichtig? Wie begegne ich anderen Menschen und wie gestalte ich meinem Alltag? Mit offenen Händen oder mit Fäusten? Was bleibt und erfüllt mich und führt zu einem gelingenden Leben? Sicherlich nicht das vergebliche Haschen nach dem vergänglichen Wind, sondern vielleicht die Suche nach einem festen Fundament, auf das ich mein Leben bauen kann, auch wenn der Wind stürmisch weht.
Ch. Str.


