zum Monatsspruch September 2026

»Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.« (Prediger 4,6)

Ein Vers aus dem Pre­di­ger, der zunächst stört, ver­mut­lich weil unge­wohn­te Wor­te mit­ein­an­der in Zusam­men­hang gebracht werden.
Ich möch­te zunächst die Sub­stan­ti­ve betrachten:

Mit Hand ver­bin­de ich seg­nen­de Hän­de, Hän­de, die lei­ten und füh­ren, Lie­ben­de geben sich die Hand und wir geben uns in Deutsch­land zur Begrü­ßung oft die Hand. Sie sind ein Zei­chen für Nähe und Zuwen­dung. Die Ruhe steht für mich für die Gegen­wart Got­tes, der Jere­mia in der Stil­le begeg­net. Wir Men­schen benö­ti­gen inne­re und äuße­re Ruhe, um die Stim­me Got­tes hören zu kön­nen – eine Her­aus­for­de­rung in unse­rer heu­ti­gen oft lau­ten Welt. Mit der Rede­wen­dung „Eine Hand voll Ruhe“ ist auf jeden Fall etwas sehr Posi­ti­ves gemeint.

Die Fäus­te ste­hen dage­gen für Gewalt und Zer­stö­rung. Ich habe aus Fäus­ten noch nichts Posi­ti­ves und Neu­es ent­ste­hen sehen, eher oft das Gegen­teil. Aller­dings wird eine gewis­se Wehr­haf­tig­keit auch in der Bibel oft posi­tiv beschrie­ben. Die Mühe ken­nen wir lei­der von unse­rem All­tag, wenn die Last der Arbeit und Sor­gen uns bedrückt. Aller­dings ist die Mühe manch­mal auch eine wich­ti­ge Zwi­schen­etap­pe für etwas sehr Erfreu­li­ches: Wer kennt nicht die Mühe eines Berg­auf­stie­ges, um sich dann von dem Pan­ora­ma über­wäl­ti­gen zu las­sen? Die »bei­den Fäus­te voll Mühe« hören sich nicht erstre­bens­wert an, wir ver­su­chen sicher­lich alle, sie zu vermeiden.

Bleibt der Wind: Ein ver­gäng­li­cher Zustand, der uns im Som­mer oft erfrischt oder mit der Wind­kraft Ener­gie schenkt. Auch Gott begeg­net uns in der Bibel im Säu­seln des Win­des. Was ist aber mit »Haschen nach Wind« gemeint? Wir kön­nen den Wind nicht ein­fan­gen und kon­ser­vie­ren, dies ist eine ver­geb­li­che Mühe. Wind ist Bewe­gung und Ener­gie, die nicht fest­ge­hal­ten wer­den kann, wir kön­nen das Blatt im Wind fest­hal­ten, aber nicht den Wind, dar­an wer­den wir schei­tern und verzweifeln.

Für mich stellt der Vers die Fra­ge, wie wir, wie ich leben will. Was ist mir wich­tig? Wie begeg­ne ich ande­ren Men­schen und wie gestal­te ich mei­nem All­tag? Mit offe­nen Hän­den oder mit Fäus­ten? Was bleibt und erfüllt mich und führt zu einem gelin­gen­den Leben? Sicher­lich nicht das ver­geb­li­che Haschen nach dem ver­gäng­li­chen Wind, son­dern viel­leicht die Suche nach einem fes­ten Fun­da­ment, auf das ich mein Leben bau­en kann, auch wenn der Wind stür­misch weht.

Ch. Str.